Burnout-Syndrom – Volkskrankheit Geschichte, Teil 3

Im dritten Teil „Burnout-Syndrom – Volkskrankheit Geschichte“ möchte ich aufzeigen, wie wichtig es ist, so schnell wie möglich die richtige ärztliche Unterstützung zu finden; und auch in Anspruch zu nehmen.
Hier gehts zur Vorgeschichte:

Burnout-Syndrom – Volkskrankheit Geschichte, Teil 1
Burnout-Syndrom – Volkskrankheit Geschichte, Teil 2

Als ich merkte, dass ich mir wirklich was eingefangen hatte, war ich so über die Inkompetenz meines damaligen Hausarztes enttäuscht, dass ich eine neue Hausärztin aufsuchte, die auch innert kurzer Zeit, im ersten Gespräch, wusste, was mein Problem war. Burnout!
Dann fing die Odyssee an…

Medikamente, Fluch oder Segen?

Diese liebe Frau Doktor hat zumindest schnell die richtige Diagnose gestellt. Was aber nicht so optimal war, waren die Medikamente; zu Beginn bekam ich einfach „Temesta„, in der Meinung, das helfe mir gegen die Panikattacken. Diese waren ja das, was mich wirklich beeinträchigte, sozial betrachtet. Mit der „leeren Batterie“, der fehlenden Energie, Kraft und Motivation konnte ich „umgehen“, aber die Panikattacken hinderten mich, das Minimum des normalen Alltags zu meistern. Aber Temesta war in diesem Falle wirklich das falsche Medikament! Obwohl es eeigentlich „angst- und krampflösend“ ist. Denn es wirkte erst nach 20 oder 30 Minuten und war echt n Killer was den letzten Rest meiner Energie betraf. Erst nach mehreren Wochen, einigen Monaten, erhielt ich anstelle von Temesta sogenannte „Xanax„, in den Vereinigten Staaten eines der meistverschriebenen Pharmazeutika. Diese empfand ich nützlicher als die Temesta, da sie mich nicht so schläfrig, schwach und wie besoffen machten. Auch hiess es, man werde von diesen nicht süchtig… Nach mehreren Monaten erhiel ich erst das (aus meiner Sicht) richtige Medikament: „Paroxetin„, ein „… antidepressiv wirkender Arzneistoff aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)…“ (Wikipedia)…

Die Panikattacken hörten nach hmm ich sag mal mehreren Wochen auf, aber diese waren ja bloss ein Symptom bzw. Ärgernis von mehreren. Da war die „leere Batterie“, diese war viel mühsamer als die Attacken; diese erste Zeit war die Schlimmste – ein Wechselbad zwischen absoluter Kraft- und Energielosigkeit und immer wieder im krassen Gegensatz dazu die Panikattacken, die Körper und Kreislauf kurzfristig voll beanspruchten und auslasteten. In dieser Zeit mit „Temesta“ kam ich nicht vorwärts, es war ein Prozess des abrupten Herunterfahrens des gesamten Systems Körper & Geist.

Die Phase des „Aufrappelns“ mit Xanax war wie eine Neugeburt ;o) ich lebte noch :oD aber schlecht… ich hatte immer noch keine Therapie oder so, das einzige war der Gang zur Hausärztin, wegen Arbeitszeugnis und Medikamente, und ein bisserl Plaudern…

Erst etwa nach einem Jahr, als ich „Paroxetin“ bekam, füllte sich meine Batterie wieder mit Saft und Kraft. Dieses Medikament habe ich etwa ein weiteres Jahr eingenommen. Bei einem Therapeuten, zu dem ich nach meinem Umzug an den Bodensee ging, habe ich dann das Thema auf den Tisch gebracht, wie lange ich denn dieses Medikament nehmen sollte, denn in der Klinik in Chur, am alten Wohnort, hat man mir gesagt, diese müsse ich „lange“ über die (volle) Genesung hinaus nehmen. Der Therapeut meinte, ich müsse das selber entscheiden, ich könne dies ja auch einfach mal ausprobieren, die Medikamente ganz absetzen und schauen, wie es geht. Beim ersten Mal hat es mir nicht so gut getan, mir fehlten die Nerven und Energie im Alltag; auch weil mir diese in dieser Zeit von der damaligen Lebenspartnerin aufgebraucht wurden ;o) aber eine Zeitlang später, beim zweiten Absetzen der Medikamente war gut. Mein Energie-Level, meine Batterie hatte sich nach zwei Jahren Burnout- und Therapie-Zeit wieder auf ein normales Mass aufgefüllt.

Zwei Jahre: dies erscheint einem lange. Das ist auch lange… aber das hat seine Gründe, dass es so lange dauerte. Die Medikamente haben bei einem Burnout eine wichtige Rolle, deshalb, und auch weil sich bei mir meine Krankenkasse querstellte (die einzige Klinik, die von der KK bezahlt wurde, war die falsche und das Klinikpersonal dort hat etwa ein Jahr gebraucht, bis sie merkten, dass ich nicht „depressiv“ war, da man mit mir bloss ein paar Minuten gesprochen hatte und mich in „eine Schublade“ geschoben hatte), brauchte ich so lange, bis ich wieder gesund, selbstsicher und stabil auf meinen zwei Beinen stehen konnte.

Es gibt ja auch jene Leute, die kurieren den Burnout mit „natürlichen Mitteln“, ohne Medikamente. Aber ich hab ja keine Pillen-Paranoia oder Ärztehass, ich vertrage Medikamente sehr gut und spreche gut darauf an. Ich habe auch bei Wechsel oder Absetzung der Medikamente keinerlei Entzugserscheinungen bemerkt.

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Ein Kommentar

  1. Hallo,

    Wir möchten Sie gern zu einem interessanten Biogena Vortrag einladen:

    „Burnout – wenn Arbeit, Alltag & Familie erschöpfen“

    Dass immer mehr Menschen die wichtigsten Kriterien des Burnout erfüllen, ihren normalen Alltagsbelastungen kaum noch nachkommen können und einen echten Leidensdruck haben, kann nicht mehr verleugnet werden. Dr. Schmiedel wird Fakten erläutern, die Sie niemals so in einen Zusammenhang mit Burnout gebracht haben.

    Termin: Samstag, 03.10.2015, 17:00 Uhr
    Ort: 25hours Hotel Zürich West, Pfingstweidestraße 102, 8005 Zürich
    Referent: Dr. Volker Schmiedel

    Das Seminar wird in deutscher Sprache geführt.

    Anmeldung per E-Mail veranstaltungen@biogena-lounge.at oder telefonisch unter T: +43 1 522 41 82-1711.

    Die Vorträge sind für Sie kostenfrei! Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

    Infos unter: http://www.biogena.ch

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