Burnout-Syndrom – Volkskrankheit Geschichte, Teil 2

Was führt zu Burnout? Wo liegen die Gefahren? Was sind die ersten Symptome? 3 kleine unscheinbare Fragen, die aber sicher schwer zu beantworten sind. Denn die Ankündigung eines Burnouts bedeutet ja, dass der Körper und die „Batterie“ Warnsignale aussendet. Warnsignale, mit denen uns der Körper mitteilt, dass wir uns mit unserem Verhalten und dem Wirtschaften mit Energie und Kraft bereits in einem roten Bereich befinden, der Körper sendet erste Signale aus, in der Hoffnung, dass diese nicht auch ignoriert werden und der Mensch seine „Notbremse“ zieht, *bevor* ein Abtauchen in den tief-roten Bereich unaufhaltbar wird…

Da jeder Betroffene seine eigenen, persönlichen Schwachstellen pflegt, eigene Missstände zur alltäglichen Normalität kürt, ist es umso schwieriger, nur aus meiner Sicht heraus, den Ursprung der zur Zeit grassierenden Volkskrankheit Burnout für andere zu beschreiben. Ich kann Euch aber erzählen, wie es bei mir war. Und ich glaube, ich gehöre da zu einer Minderheit, die trotzdem stark vertreten ist, heutzutage…

Hintergrund, Ausgangslage

Ich bin ehrlich, offen und direkt; deshalb ist es mir egal, was andere „über mich“ denken, wenn Sie die folgenden persönlichen Worte lesen, es ist meine Geschichte, und dazu stehe ich ;-) Vielleicht ist bei einigen Burnout-Betroffenen, der Grund, die Ursache kurzfristiger begründet, aber bei mir ist der Ursprung nicht einfach ein heftiges Jahr Arbeit oder Probleme; ich musste da weiter zurückgreifen, ausholen und in meiner Vergangenheit wühlen, damit ich die Zusammenhänge verstanden habe. Klar, zuletzt, vor dem Beginn meiner „burnout“-Zeit, waren die Misstände besonders klar und offensichtlich, aber solche Schwachstellen werden zu schnell ausgeblendet, ignoriert.

Meine Kindheit war sicher nicht einfach, geschweige denn „normal“ :-) im zarten Alter zwischen Baby und Kleinkind wurde ich einer Pflegefamilie übergeben. Da hatte ich eigentlich ein zu dieser Zeit an jenem Ort „normale“ Umgebung, für eine Familie der unteren sozialen Schicht; ein Mami, ein Papi, und zwei „Schwestern“, eine vier Jahre jünger, eine vier Jahre älter als ich. Iiirgendwie war ich aber schon in früher Zeit, ein ööhm besonderes Kind ;-) ich kam bereits im zarten „1.-Klässler-Alter“ durch Flegeleien mit Polizei in Kontakt, und landete (um die Geschichte nicht allzu lang zu machen) im Alter von 14 oder 15 Jahren schlussendlich als widerspenstiger Punk, Trotzkopf und no-Future-Teenie im Erziehungsheim. In dieser Zeit waren Kiffen, der Alkohohl, die Anarchie und das Nein-Sagen meine Götter

Nach den Jahren in verschiedenen Heimen kam ich zurück in meine Heimat und lernte da meine Ex-Frau kennen. Am Tage meines 18. Geburtstages war gewissermassen eine Wende in meiner Jugendzeit. Ich „normalisierte“ mich und hatte von da an ein ruhigeres Leben. Irgendwann um die 30, immer noch mit meiner Freundion zusammen, entschieden wir uns für eine „Familie“; also Hochzeit und ein Kind. Hätte man mich im wilden Teenager-Alter danach gefragt, hätte ich es nicht für möglich gehalten! Meine richtigen Eltern hatten es ja nicht auf die Reihe gekriegt, mich gemeinsam zu erziehen, deshalb wollte ich damals eeigentlich nie eine „Familie“ gründen… Trotzdem entschieden wir uns dazu, und dies klappte auch wie am Schnürchen. Mein Sohn kam wie geplant, ohne zeitliche Verzögerungen, gesund und glücklich zur Welt. Doch leider hat mich meine damalige Frau verarscht, und so kam es zu einer Scheidung; nach mehr als 10 Jahren trauter Zweisamkeit. Diese Scheidung hat mich damals in ein Loch geworfen, wer das nicht selber erlebt hat, kann das nicht Nachempfinden. Diese Zeit nach der Scheidung und Trennung von meinem Junior hat tiefe Narben hinterlassen. Und zu grossen Problemen geführt. So häuften sich meine Schulden an, und ich war allein :-(

Seitdem ging es eigetlich abwärts mit mir. Ich hatte wohl noch die eine oder andere Freundin (für die Deutschen: Lebenspartnerin), aber keine Beziehung klappte wirklich. Irgendwann zwischen 30 und 40 war ich dann am Tiefpunkt. Ich arbeitete, und erreichte trotzdem nichts. Ich hatte irgendwann einen Schuldenberg an die 100’000 CHF, obwohl ich nichts kaufte, es war die fehlende Energie, um den Alltag zu meistern, die „normalen“ Dinge auf die Reihe zu bekommen. Im Laufe dieser Jahre schaffte ich es, alleine durch arbeiten, und mit einem Leben mit monatlich 1800 CHF, mich aus der eigenen Scheisse rauszuziehen. Mit diesen 1800 CHF musste ich alles bezahlen; die Kinder-Alimente, die Wohnung, das Essen etc. Das war eigentlich gar nicht möglich, in der teuren Schweiz. Trotzdem schaffte ich es!! Ich schaffte es, weil ich mit selbständigen Arbeiten als Webmaster, Programmierer und SEO eigene Projekte und einige Kunden hatte. Aber ich war die ganze Zeit zusätzlich irgendwo 100% Angestellter; entweder als Gerüstbauer, Umzugsmann, oder Skiliftangestellter. Zuletzt als Postangestellter. Ich arbeitete, Tag und Nacht, in der Mittagspause, und nach dem Feierabend!! In der Nacht und am Samstag und am Sonntag, NUR wenn mein Sohn zu mir ins Wochenende kam, HATTE ich Pause, nahm, gönnte ich mir die Pause. Mit ihm :-) Während etwa 3 Jahren war ich zuletzt bei der Post angestellt. Schichtarbeit. Das passte gut zu meinen nebenberuflichen Tätigkeiten…

Dann, es war so im Jahre 2007 oder 2008 bekam ich einen Job als Programmierer/SEO; eeendlich mal einen Job, der wirklich mein Ding war, im IT-Business! Und dies, obwohl ich keine Berufslehre absolviert hatte, obwohl ich nur Scheissjobs machte; ich war da ein „Quereinsteiger“ und setzte mich auch ein. Mir gefiel die Arbeit, diese Firma, und dass es besser wurde, aufwärtsging, mit meinen Lebensumständen. Nach etwa zwei Jahren kam dann der Burnout! Ich hatte es verpasst, in dieser „ruhigen“ Zeit auf MICH zu achten, denn ich arbeitet immer noch an eigenen und Kundenprojekten, weil es lief ja immer besser, ich hatte keine Schulden mehr, die Aufträge nahmen zu und es lief bestens; ausser dass ich immer noch total am „Anschlag“ war, meine ganze Zeit für Arbeit, Geld und Job opferte. Dass ich nicht besonders „gut“ ass, zuwenig Erholung und Schlaf hatte, blendete ich aus. Langsam stellte sich der (mühsam erarbeitete) Erfolg ein; ZU langsam. So kam der Burnout.

Ich bemerkte erste Symptome, vor allem während der Arbeit. Auf dem Weg zur Arbeit. Bei Telefongesprächen bei der Arbeit.
Die ersten Symptome waren bei mir gewisse Schwindelgefühle; ich ging zum Hausarzt und liess mich darauf untersuchen; der Arzt konnte nichts aussergewöhnliches Feststellen, ich war „kerngesund“.
Die Schwindelgefühle liessen nicht nach, wurden immer offensichtlicher. Ein Freund, der Beat, Musiker in unserer damaligen Rockband meinte, Schwindel komme vielleicht von einem Problem in Bezug auf die Ohren. So ging ich erneut zum Arzt und sagte, ich wolle dass mir, obwohl ich nach dem Beurteilen meines Arztes gesund war, dass meine Ohren, mein Gehörgang untersucht werden soll. Und tatsächlich – mein Hausarzt hat bei mir nach wiederholter Kontrolle einen „Ohrpfropfen“ gefunden, diesen auf der Stelle mit einer WOW Elefanten-Wasserspritze mittels Ohrenspülung rausgezogen! Da dachte ich, auch weil mir das mein Arzt sagte, dass das der Grund für mein Schwindel war – und ich war beruhigt :-)

Doch etwa nach zwei Wochen kam der Schwindel wieder! :-(
Also war doch nicht der Ohrenpfropfen der Grund für meine Schwindelgefühle…
Dann ging alles ziemlich schnell…

Ich bekam auf dem Arbeitsweg am Morgen Panikattacken!!
Nach der Einkehr in der Bäckerei, wo ich meine „Gipfeli“ für die Znüni-Pause holte, bekam ich Panikattacken!
Beim normalen Einkaufen im Supermarkt bekam ich Panikattacken!
Wenn ich bei der Arbeit war, und Kunden mich via Telefon erreichen wollten bekam ich Panik-Attaken!!
Mann, was ist da bloss los… :-(
Mein Herz klopfte dann wie Berserker, es fühlte sich an, wie wenn ich gleich in Ohnmacht fallen würde.
Auch Rauchpausen, an der „frischen Luft“, draussen vor der Firma änderten schnell nichts mehr…
Es kam soweit, dass ich morgens bis zur Firma gehen konnte, dann aber zurück nach Hause musste :-(
Mich hinlegen, ausruhen, herunterfahren…
Meine Gedanken waren zuerst, ob es vielleicht der Joint am Abend war, das Bierchen, oder die zuwenig Stunden Schlaf, nein, DAS (alleine) war nicht der Grund!!
Weil diese Symptome änderten sich auch nicht, als ich damit aufhörte!

Diese „Panikattacken“ führten dazu, dass ich nicht mehr als 10 oder 15 Minuten mehr nach draussen konnte, uff, eine „Runde ums Haus“ war für mich extreme Anstrengung, wenn viele Leute da waren, ich wohnte in der Altstadt, dann war es besonders heftig, sofort musste ich nach Hause, in die Ruhe, in die Waagerechte, Entspannen, Ausruhen…. Am Besten ging es mir noch, wenn ich in den nahen Wald ging, in die Natur, da mochte ich noch mehr als 15 Minuten spazieren, konnte es geniessen. Aber mehr als etwa 60 Minuten hielt ich es nicht mehr aus, ohne mich hinzulegen, zu Entspannen, auszuruhen… WOW, das war heftig ich sags Euch ;-) da wurde mir klar, mann, das ist weder Ohrpfropfen, noch zuviel Bierchen am Abend, weder zuviel Joints noch sonstirgendwas, meine BATTERIE ist am ENDE, ich mach schlapp!!!

— so, ich mach nun ne Pause, ne Schlafpause ;-) ich erzähle gerne weiter, morgen oder übermorgen, oder nächste Woche :-)

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.